Ernährung, Bewegung, Entspannung – wie Eltern und Kita gesundes Aufwachsen von Kindern fördern können

Ernährung

Essen und Trinken ist mehr als die Aufnahme der lebensnotwendigen Nährstoffe. Lebensmittel werden besonders von Kindern mit allen Sinnen wahrgenommen. Sie riechen, schmecken, sehen und fühlen die Lebensmittel – und beim Knacken eines Apfels kann man Lebensmittel sogar hören. Die im Kita-Alter erfahrenen Sinneseindrücke, insbesondere die Geschmackserlebnisse sind von lebenslanger Bedeutung und prägen die Vorlieben und Abneigungen bis ins Erwachsenenalter. Für Eltern und pädagogische Fachkräfte bedeutet dies, Kinder an neue Geschmackserfahrungen heranzuführen, ohne sie zu zwingen. Grundsätzlich aber wirkt die Macht der Gewohnheit: Was Kinder häufig essen, das schmeckt ihnen auch (irgendwann). Daher sind einerseits Geduld beim Anbieten neuer Speisen und andererseits Ernstnehmen der Geschmacksempfindungen des Kindes gefragt. Ein Geduldsspiel, das viele Erwachsene regelmäßig zur Verzweiflung treibt – aber Entspannung ist in Sicht: Der Eintritt in die Grundschule bringt auch eine entwicklungsbedingte Erweiterung der geschmacklichen Vorlieben des Kindes mit sich. Bei aller Bedeutung einer ausgewogenen und kindgerechten Ernährung, sollte im Auge behalten werden, dass es nicht zum täglichen Machtkampf um die gemeinsamen Mahlzeiten kommt. Häufig ist dies auch nur ein „Stellvertreterkrieg“, für ungelöste Probleme anderer Art.

Neben den Sinneseindrücken machen Kinder beim Essen und Trinken auch andere Körpererfahrungen. So lernen Kinder im Kita-Alter beispielweise zwischen Hunger und Appetit zu unterscheiden. Kinder haben – anders als die meisten Erwachsenen – ein natürliches Sättigungsgefühl, das sie aufhören lässt zu essen, sobald sie gesättigt sind. Diesen „Schatz“ gilt es zu hüten und Rückmeldungen von Kindern, dass sie z.B. trotz Essenszeit keinen Hunger haben, sollten ernst genommen werden. Feste Essenszeiten und Rituale geben dem Tagesablauf Zuhause und in der Kita Struktur und helfen Kindern, ihr Hunger- und Durstgefühl zu den empfohlenen drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten zu regulieren.

Bewegung

In den ersten Lebensjahren erschließen sich Kinder die Welt maßgeblich über körperliche Bewegung. Und dies mit unmittelbaren Folgen für die motorische, kognitive, emotionale und soziale Entwicklung. Insbesondere die Kleinen sollten viel Zeit zum freien Spielen und bewegen haben. Und auch im Vorschulalter reicht es nicht aus, Bewegung im Rahmen von Sportstunden, organisierten Bewegungsspielen, Tanzen usw. gezielt zu fördern. Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang, der auch Freiräume braucht, um sich zu entfalten. Das fängt mit dem Weg zur Kita an, den Kinder wenn möglich aus eigener Kraft – mit dem Laufrad, zu Fuß, mit dem Roller oder mit dem Fahrrad – zurücklegen sollten. Neben den bewegungspädagogischen und sportlichen Angeboten sollten die pädagogischen Fachkräfte auch im Auge behalten, ob die Kita ausreichend Bewegungsgelegenheiten bietet. Dies können sowohl ausgewiesene Bewegungsräume und -zonen wie Toberäume, Sprossenwände oder Kletterseile, sein als auch nicht als solche ausgewiesene Bewegungs- und Freiräume. So müssen z.B. nicht alle Aktivitäten sitzend ausgeübt werden. Vielleicht ist auch ein Teil der Möbel gar nicht von Nöten und ein Verbot, in den Kita-Räumen zu rennen, ist eigentlich auch nicht mehr zeitgemäß. Denn Kinder, die sich wenig bewegen, tragen ein höheres Unfallrisiko als Kinder die regelmäßig toben, rennen und springen.

Entspannung

Neben der Bewegung brauchen auch Kinder im Kita-Alter bereits das Gegengewicht: die Entspannung. Der Wechsel von körperlicher Bewegung, geistiger Anstrengung und Ruhephasen ermöglicht ein umfassendes Wohlbefinden. Regelmäßige Entspannung fördert das Körperbewusstsein und die Körperwahrnehmung und damit die Fähigkeit, auf Gesundheit und Wohlbefinden auch selbst acht zu geben. Wer die eigenen Bedürfnisse und Empfindungen wahrnimmt, kann sich auch besser in andere hineinversetzen, was die Grundlage zur Entwicklung von Sozialkompetenz ist. Und auch die Entspannung muss nicht immer in Form von Yogakursen und Entspannungsübungen vermittelt werden. Gedämmtes Licht und feste Vorlese- und Kuschelzeiten schaffen „Entspannungsinseln“ im Alltag.

Beherzigen pädagogische Fachkräfte und Eltern diese Erkenntnisse in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich, so ist der Grundstein für einen gesunden Lebensstil, der bis ins Erwachsenenalter hineinwirkt, gelegt. Von der partnerschaftlichen und vertrauensvollen Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich profitieren beide Seiten. Was Kinder in der Kita über einen gesunden Lebensstil lernen, das fordern sie häufig auch Zuhause ein. Die in der Kita erlernten Fertigkeiten bei der Zubereitung von Mahlzeiten, Entspannungsübungen und Bewegungsspiele können so auch Einzug ins Elternhaus halten – ein Prozess, der durch Elterninformationen oder Veranstaltungen noch unterstützt werden kann.

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